Temperatur - Tiefstwerte
Tiefstwerte werden etwa 1 Stunde nach Sonnenaufgang erreicht, weil erst dann die Einstrahlung der Sonne die Kälte bringende Ausstrahlung in das Weltall übersteigt.
Warum ist das für die Angabe der Tiefsttemperaturen so wichtig?
Tiefstwerte der Nacht werden nach internationalen Normen zu bestimmten Zeitpunkten gemeldet. Bei uns ist das um 06 Uhr Weltzeit, d.h. um 7 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Im Winter ist also der Zeitpunkt der theoretisch tiefsten Temperatur lange nach dem Meldetermin 7 Uhr, denn die Sonne geht zum Jahreswechsel etwa um 08:15, derzeit etwa um 07:45 auf. Die Tiefstwerte werden zwischen 08 Uhr und 09 Uhr erreicht, also deutlich nach dem Zeitpunkt der Wettermeldung um 7 Uhr.
Warum werden die Tiefstwerte bei klarem Himmel erst etwa eine Stunde nach Sonnenaufgang erreicht?
Stellen Sie sich vor, sie befinden sich im Raum mit einem Kamin. Wenn Sie in Nähe des Kamins zu ihm hin schauen, dann stellen Sie fest, dass es in der Richtung am wärmsten ist. Wenn Sie umgekehrt vor einer kalten Wand liegen, dann kühlt der der Wand zugewandte Körperteil aus uns Sie fangen an zu frieren. In beiden Fällen passiert das, ohne daß Sie den Kamin oder die Wand berühren. Ursache ist die Strahlung, die vom wärmeren zum kälteren Körper geht,
also vom warmen Kamin zum 37 Grad warmen Körper bzw. vom 37 Grad warmen Körper zur kalten Wand.
Extrem gut merkt man das bei einem Lagerfeuer bei klarem Himmel. Vorne Bullenhitze, hinten eiskalt.
Die Strahlung geht auch hier vom heißen Feuer zum Körper.
Wohin aber geht die Strahlung vom Körper, so daß man am Rücken friert?
Sie geht in den Weltraum, der mit - 273° Grad deutlich kälter als der Körper ist.
Und genau das macht die Erde den lieben langen Tag. Sie heizt den Weltraum und müsste eigentlich immer mehr abkühlen. Aber zum Glück haben wir ja die Sonne, die uns immer wieder aufheizt. Nehmen wir nun mal an, die Erde heizt den Weltraum mit etwa 50 Watt/m² und die Sonne liefert uns mittags 200 W/m². Wenn die Sonne aufgeht, liefert sie beim Aufgang natürlich nicht sofort die 200 Watt, sondern ihre Strahlung beginnt bei 0 Watt, während die Erde weiterhin 50 Watt abgibt. Erst wenn die Sonne so hoch steht, dass deren Einstrahlung mit 50 Watt der Ausstrahlung der Erde von 50 Watt entgegensteht, wird es nicht mehr kälter. Bis dahin vergeht ab Sonnenaufgang eine Weile. Bis das auch das vor der Sonnenstrahlung geschützte Thermometer merkt, dauert es halt etwa eine Stunde. Deshalb messen wir in Deutschland um 10 Uhr gesetzlicher Zeit die Tiefstwerte erneut. Dann haben wir sicherlich auch die wirklich kälteste Temperatur erwischt.
Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale